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Hendrikje Schötten

 
           
 



 



"Was willst Du denn damit anfangen?"

Neben einem entsetzten "Was? Du sieht aber gar nicht so aus!" ist dies ist wohl eine der Fragen, die man am häufigsten hört, wenn man seinen Mitmenschen erzählt, dass man Mathematik auf Diplom studiert.
Inzwischen kann ich neben der Antwort "Der Chef der Telekom ist Diplom-Mathematiker" auch mit eigenen Job-Erfahrungen aufwarten: Nach dem Mathematikstudium stehen einem im Prinzip alle Wege offen.

Ich habe im Herbst 1993 angefangen, in Hannover Mathematik mit Nebenfach Betriebswirtschaftslehre zu studieren. Fürs Mathestudium habe ich mich entschieden, da ich in der Schule zwar kein Supercrack war, aber doch Spaß an Mathematik hatte und kaum etwas dafür tun musste. Etwas fleißiger musste ich während des Studiums schon werden, aber es blieb immer noch genug Zeit, auch die angenehmen Seiten des Studentenlebens in Hannover ausgiebig zu genießen.

Ein Höhepunkt meiner Studienzeit war ein einjähriger Auslandsaufenthalt in London. Jedes Jahr gehen einige Mathestudenten aus Hannover an die Brunel-University in Uxbridge (in London, in der Nähe des Flughafens Heathrow), um dort an einem Master-of-Science-Kursus teilzunehmen. Da dieser Aufenthalt von der Universität Hannover organisiert wird, kann man einerseits ohne zusätzliche Prüfungen an diesem Fortgeschrittenenstudiengang teilnehmen, andererseits werden die Leistungen in England vom hiesigen Prüfungsamt anerkannt, so dass man kaum Zeit verliert. Ich denke, dass mir dieser Auslandsaufenthalt auch die Jobsuche stark vereinfacht hat. Als Mathematiker ist es besonders wichtig, dem Image des "Fachidioten" und "Theoretikers" entgegenzutreten.

Mit einem Mathematikstudium stellt man seine Begabung unter Beweis, schnell komplexe Zusammenhänge begreifen und Lösungen für unübersichtliche Probleme entwickeln zu können. Neben diesen eher theoretischen Fähigkeiten sind im Berufsleben aber auch Kommunikations- und Teamfähigkeit gefragt.

Ich bin in einem Unternehmen, das Software für Versicherungen herstellt und arbeite zur Zeit an einem großen Projekt mit. Für meine augenblicklichen Aufgaben brauche ich neben dem "logischen Denken", das ich in meinem Studium gelernt habe, vor allem die Bereitschaft und Fähigkeit im Team zu arbeiten. Man muss versuchen, die Wünsche des Kunden zu erfüllen und gleichzeitig die Realisierbarkeit im Auge behalten. An dieser Schnittstelle zwischen fachlichen Anforderungen und Programmierbarkeit sind auch die im Studium erworbenen Programmierkenntnisse sehr hilfreich. In der Versicherungsbranche ist zudem tatsächlich konkrete Mathematik, die man während des Studiums gelernt hat, gefragt.

Insgesamt kann ich ein Mathematikstudium nur empfehlen. Auch ohne eine Genie zu sein, kann man ein ordentliches Diplom schaffen und hat keine Probleme, interessante Jobs während und nach dem Studium zu finden; in der Tat fliegen die ersten Stellenangebote meist schon während des Studiums ins Haus.

Hendrikje Schötten

   

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